Pro und Kontra – Fakten weiter gedacht

Es ist immer gut, wenn man zum Kontra auch das PRO hat. Ergänzende Informationen zu den Argumenten der Verbauungsbefürworter.

Gemeindepark? Rathauspark?

Seit Bekanntwerden der Volksabstimmung zum Gemeindepark wird in Götzis plötzlich jede gefundene oder lange vergessene Grünfläche zum Park erhoben. Manche haben sogar schon propagiert „ganz Götzis ist ein Park“.

So wird der Rathausgarten neuerdings auch „Park“ genannt. In Wahrheit ist es der Vorgarten des Rathauses mit eingezäuntem Teich und Weg zum dahinter liegenden Spielplatz. Die Öffnung wurde von uns begrüßt, und als Zwischenlösung in der Gemeindevertretung beschlossen, damit die Schülerbetreuung von der Bahnhofstraße aus auf kurzem Weg zum Spielplatz kommt.

Rathausgarten: Ein schön gestalteter Vorgarten mit Zugang zum Spielplatz – aber kein Park.

Jetzt kann man sich hier auf ein neues „Götzner Bänkle“ setzen und den Gemeindebediesteten bei der Arbeit zusehen. Schön hergerichtet, aber ohne weitere Funktion. Diese Fläche und auch der dahinter liegende Spielplatz gehören in der Folge noch weiter entwickelt.

Den Garten einen Park zu nennen, gehört wohl eher zur gezielten Ablenkung vom Gemeindepark. Und es zeigt deutlich, dass es im Zentrum nur noch das Grundstück am Garnmarkt Nord sowie die „Blumenwiese“ bei der Kirche gibt.

Aus Argumentationsnot heißt es vielleicht bald auch Volksschul-Park, Jonaschlössle-Park, Neben-der-Blatturschule-Park, Haus-der-Generationen-Park, Vergessener-Spielplatz-bei-der-Post-Park, Ein-Strauch-AmGarnmarkt-ist-auch-ein-Park oder Was-auch-immer-Park.

Verbinden statt ausschließen

Es ist kein Widerspruch, sich für Grünraum zu entscheiden in einer wirtschaftlich blühenden Gemeinde. Qualitätsvoller Grünraum im Zentrum kann die wirtschaftlichen Interessen sogar befruchten.

In Götzis haben wir NOCH diese Möglichkeit. Es geht um Aktions- und Erholungsraum als lebendiges Gegenüber, als Ergänzung und Ausgleich zur anderen Lebendigkeit des Shoppings und Flanierens am Garnmarkt.

Es ist der Wechsel, der Lebensqualität ausmacht: Aktiv und Passiv, Leisten und Erholen, Konsumieren und Selbst-aktiv-werden.

Wirtschaft der Zukunft

In einem Wirtschaftsmodell, das auf Wachstum aufgebaut ist, wird der Trend nach Erweiterung, nach immer noch mehr nicht aufhören. Zudem zeigt sich in diesem Modell immer deutlicher, dass es Geld nach oben verteilt, also Gewinne privatisiert und Kosten verteilt.

Es wäre Zeit, gerade in einer Gemeinde wie Götzis, die kaum noch Grundreserven hat, verstärkt kooperative, auf den Menschen gerichtete Wirtschaftsformen zu fördern. Es wäre auch Zeit, genau zu hinterfragen, worauf ich als Gemeinde verstärkt den Fokus lege.

Die Abhängigkeit von wenigen Investoren – wie in Götzis – hat auch ihre Schattenseiten – es wird zu viel diktiert und zu wenig hinterfragt.

Finanzen: Der 1,3 Millionen-Schmäh

Ein Verkauf des Grundstücks wäre nur ein Einmaleffekt und würde das Budget nicht sanieren, sondern kaschiert nur einen Teil des Abgangs. Spätestens 2019, wenn auch Gemeinden eine Art Bilanz vorlegen müssen, funktionieren diese „Tricks“ nicht mehr, da Grundstücke als Wertanlage aufscheinen, oder wenn man sie verkauft hat, eben nicht mehr aufscheinen. Ein Verkauf wäre eine kurzsichtige Entscheidung für einen Einmaleffekt im Budget 2017.

Ganz Götzis im Blick

Ohne viel zu hinterfragen wird seit über 10 Jahren von den Gemeindeverantwortlichen beim Thema Zentrumsgestaltung aus Sicht des Garnmarkts heraus agiert. Es hat sich mit den Jahren wohl eine Art Betriebsblindheit eingestellt, anders ist diese gebetsmühlenartige Wiederholung von „wir brauchen einen Abschluss sonst geht Götzis unter“ nicht zu erklären.

Die Verantwortung der Gemeinde sollte über den Garnmarkt hinaus gehen. Es gilt das richtige Maß zu finden. Nicht die Gemeinde ist für den Garnmarkt da, sondern der Garnmarkt ist eine Bereicherung in einer auch sonst gut aufgestellten Gemeinde. Genauso wie ein Gemeindepark eine Bereicherung für die Gemeinde und den Garnmarkt darstellt.

Vertrag 2010

Der Vertrag zum Kauf des Grundstücks Garnmarkt Nord kam einzig mit dem Wissen und der Annahme zustande, dass auf dem Grundstück ein eingeschoßiges Feuerwehrhaus gebaut wird; das Siegerprojekt zeichnete sich aus durch den sanften Übergang zum bestehenden Wohngebiet. Niemand, auch nicht die Betreiber, haben damals von nötiger Frequenz oder Handelsflächen zur wirtschaftlichen Absicherung des Garnmarktes gesprochen – das wäre auch absurd gewesen! Es scheint eher so, dass die jetzt ins Spiel gebrachten Regressforderungen gezielt als Angstmache heraufbeschworen werden.

Der Bebauungsplan Garnmarkt Nord, fand 2015 keine Mehrheit. Nicht nur von uns, sondern auch von der FP und SP/Parteifreie wurde er abgelehnt. Aus unserer Sicht fehlt die Betrachtung mit einem Park – zumindest als Variante – bis heute.

Was kostet ein JA?

Erst einmal muss festgestellt werden, dass die Gemeinde dieses Grundstück bereits besitzt. Es wird also jeden Tag mehr wert und kostet nichts.

Ein Ja betrifft am 19.3. nur die Widmung von Kernzone mit dichter Verbauungsmöglichkeit in eine Vorbehaltsfläche Park, mit zeitlicher Begrenzung. Das gibt allen Zeit zum Nachdenken und zum Abwarten der sozialen, der baulichen und wirtschaftlichen Entwicklung im Zentrum unserer Gemeinde. In der Zwischenzeit ist unsere Vision für dieses Grundstück ein naturnah gestalteter Begegnungsraum für alle Götznerinnen und Götzner, durch den im wahrsten Sinn des Wortes nichts „verbaut“ wird.

Kompromisslos demokratisch

Von Seiten der Gemeinde war und ist man nicht bereit, unsere Bedenken und Überlegungen auch nur im Ansatz in Erwägung zu ziehen. Wenn sich die Politik in so wichtigen Fragen nicht einig wird, ist es richtig und legitim, die Bevölkerung entscheiden zu lassen. Wie die breite Unterstützung im Vorfeld der Volksabstimmung gezeigt hat, wollen das sehr Viele: Die Bürgerinnen und Bürger von Götzis sollen um ihre Meinung gefragt werden und mitentscheiden, wie ihr Dorfzentrum aussehen soll.

Niemand von uns kann wissen, wie die Entwicklungen weitergehen. Künftige Generationen sind sicher dankbar, wenn sie noch Spielraum zum Gestalten im Ortszentrum haben.

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